Jamie Saft: Blue Dream


Jamie Saft Quartet
Blue Dream
RareNoiseRecords

Der langbärtige New Yorker Pianist, Organist, Keyboard-Spieler und Komponist Jamie Saft lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken. Am ehesten konnte man ihn bislang der New Yorker Downtown Avantgarde Szene zuordnen. Doch mit der vorliegenden CD präsentiert er ein geradezu traditionelles Quartett in dem Bereich rein akustischer Musik, der heute gern als Modern Creative bezeichnet wird, weil Straight Ahead für Leute unter 60 etwas angestaubt klingt. Saft spielt ausschließlich Piano und hat mit Brad Jones am Bass und Nasheet Waits am Schlagzeug eine exzellente Rhythmusgruppe dabei. Das Tenorsaxofon bedient Bill McHenry. Die Band zelebriert die Standards „Violets for your furs“, „Sweet Lorraine“ und „There’s a lull in my life“ ganz klassisch mit starker Melodie-Betonung. Die übrigen neun Titel sind Eigenkompositionen Safts mit wenig bis gar keiner Melodie, die ganz und gar von der Improvisation der vier Musiker leben. Dabei bleiben sie weitgehend im Regelwerk des klassischen Jazz. Der Titelsong bietet ein swingendes Klaviertrio, bevor McHenry in „Infinite Compassion“ à la Coltrane improvisiert. In „Decamping“ umspielen Jones and Waits einander gekonnt. Darüber bläst McHenry eine melodische Saxofonimprovisation und Saft setzt anregende Akkorde. Die CD demonstriert, wie moderne Musiker, die ganz im Hier und Jetzt stehen, aus einem traditionellen Rahmen heraus etwas Neues kreieren können. Eindrucksvoll!

Hans-Bernd Kittlaus 20.07.18