Mingus Big Band: ¡ Que Viva Mingus!, Dreyfus FDM 36593-2


Mingus Big Band

¡ Que Viva Mingus!

Dreyfus FDM 36593-2

Repertory Bands hat es in den letzten 20 Jahren eine ganze Reihe gegeben. Typischerweise folgen sie weitgehend dem aus der Klassik entlehnten Ideal der Werktreue, wie es zum Beispiel die Duke Ellington Band oder das Count Basie Orchestra tun. In diese Kategorie paßt die Mingus Big Band überhaupt nicht. Diese Band greift zwar auf die gehaltvollen Mingus Kompositionen zurück, doch diese werden neu arrangiert, instrumentiert und interpretiert. Sue Mingus, die Managerin der Band und Ehefrau des 1979 verstorbenen Bassisten und Komponisten Charles Mingus, kann dabei auf einen Pool von etwa 100 New Yorker Spitzenmusikern zurückgreifen, die begierig darauf sind, donnerstagabends im New Yorker Time Cafe in dieser Band zu spielen, wenn sie in der Stadt sind.

Dieses Engagement der Musiker prägt auch die vorliegende CD, die sich der Latin Seite von Mingus annimmt und damit u.a. an die legendäre Mingus Scheibe ‘New Tijuana Moods’ von 1957 anknüpft, die RCA erst kürzlich auf CD wiederveröffentlicht hat. Da läutet Steve Turre ‘Cumbia and Jazz Fusion’ virtuos auf seinen Muscheln ein, Ronnie Cuber, Randy Brecker und Dave Kikoski solieren über ‘Dizzy Moods’ und Frank Lacy und John Stubblefield lassen ihre Instrumente den ‘Love Chant’ singen. Der Preis für das beste Arrangement dürfte Michael Mossman für ‘Far Wells Mill Valley’ zustehen. Insgesamt eine faszinierende Aufnahme, die in einer Reihe steht mit den hochgelobten bisherigen CDs der Mingus Big Band und eindrucksvoll demonstriert, warum diese Band in den Big Band Polls der letzten Jahre regelmäßig ganz vorn steht.

Hans-Bernd Kittlaus 10.04.98