Melissa Aldana: Visions


Melissa Aldana
Visions
Motéma

Seitdem die talentierte junge Chilenin Melissa Aldana 2013 den Monk Wettbewerb für Saxofon und 2015 die Downbeat Rising Star Kategorie gewann, konnte sie viel Aufmerksamkeit genießen und sich gut in der US-amerikanischen Jazz-Szene vernetzen. So steuerte Cecile McLorin Salvent die schönen grafischen Kunstwerke zum Cover Design bei, ohne selbst auf der CD zu singen. Neun der elf Stücke der CD sind Eigenkompositionen. Das beginnt mit dem Titelstück „Visions“, in dem Aldana sogleich ihre technische Meisterschaft beweist. „Acceptance“ demonstriert das Problem, dass Aldana oft ohne rechte Dramaturgie durch die Songs mäandert, virtuos, aber ohne eine für den Zuhörer nachvollziehbare Story. Am überzeugendsten ist sie im einzigen Standard der CD „Never Let Me Go“. Ihre Band mit Pianist Sam Harris, Bassist Pablo Menares und Drummer Tommy Crane unterstützt sie zuverlässig und hat einige gute solistische Momente, etwa Sam Harris in „Elsewhere“. Das beste Solo kommt von Vibraphon-Nachwuchsstar Joel Ross in „El Castillo de Velenje“, der gerade seine eigene Debut-CD auf Blue Note vorgelegt hat. Melissa Aldana hat eine Menge Potential, aber das ist hier noch nicht ausgeschöpft.

Hans-Bernd Kittlaus 02.08.19