George Shearing: Lullabies of Birdland – A Musical Autobiography


George Shearing

Lullabies of Birdland – A Musical Autobiography

Concord CCD2-2211-2

2004 war eigentlich geplant als ein Jahr besonderer Feierlichkeiten für den englischen Pianisten George Shearing. Anlässe waren sein 85-ster Geburtstag und das Erscheinen seiner Autobiografie ‚Lullaby of Birdland’ (Continuum), zu der die vorliegende Doppel-CD das musikalische Gegenstück darstellt. Doch ein Sturz in seiner New Yorker Wohnung im Sommer führte zu schweren Kopfverletzungen, die öffentliche Auftritte seither verhindern. Diese Zusammenstellung hat ihren Schwerpunkt auf seiner Concord-Zeit von 1979 bis 1989 (so spart das Label Lizenzgebühren), die für meinen Geschmack aber auch seine musikalisch ergiebigste war. Seine kommerziell erfolgreichste Zeit Anfang der 50er Jahre mit dem von Blockakkorden geprägten ‚Shearing Sound’ seines Quintetts ist nur mit drei Titeln vertreten, u.a. dem Klassiker ‚Lullaby of Birdland’ aus dem Jahr 1952. Spannend sind die Beispiele für Shearing als Begleiter von Sängern, angefangen 1971 mit Joe Williams von einer LP auf Sharings eigenem Sheba Label, die gerade von Koch auf CD wiederveröffentlicht wurde. Für Concord machte er brilliante Aufnahmen mit Carmen McRae, Ernestine Anderson und vielfach mit seinem musikalischen Alter Ego Mel Torme, hier vertreten mit dem furiosen New York, New York Medley aus dem Jahr 1987. Doch auch seine instrumentalen Duette mit Pianist Hank Jones, Gittarist Jim Hall oder den Bassisten Brian Torff und Neil Swainson begeistern. Nur auf George Shearing in Dixieland hätte man gut verzichten können, doch insgesamt ist dies eine ansprechende Zusammen-stellung, die uns die Zeit überbrücken kann, bis Shearing sich hoffentlich von seinen Verletzungen erholt und wieder auftreten kann.

Hans-Bernd Kittlaus 05.12.04