Jimmy Scott: I Go Back Home


Cover

Jimmy Scott
I Go Back Home
CD: Eden River Records ERR-CD-01, https://www.eden-river-records.com/
Film: http://i-go-back-home.com/ (1:37 h)

An Jimmy Scott haben sich immer die Geister geschieden. Für die einen war er der Jazz-Sänger, der wie kein anderer die Conditio Humana auf allerbewegendste Weise ausdrückte, andere fühlten sich von seiner eigenwilligen Stimme irritiert und abgestoßen. Ralf Kemper gehört in die erste Kategorie. Der deutsche Produzent ist seit Jahren höchst erfolgreich mit Audioproduktionen für die Werbewirtschaft. Im Film „I Go Back Home“ schildert er, wie er nach dem Tod seiner Frau etwas Bleibenderes schaffen wollte. Dazu setzte er sich als langjähriger Fan in den Kopf, eine CD-Aufnahme mit dem fast vergessenen Sänger Jimmy Scott zu produzieren, der sein Leben lang darunter litt, dass seine hormonelle Entwicklung durch eine seltene Krankheit auf dem Stand eines 12-jährigen blieb. Der Film dokumentiert, wie Kemper und sein Team Scott 2009 in Kalifornien aufsuchen. Der greise Sänger im Rollstuhl machte zunächst nicht den Eindruck, dass er noch zu professionellem Singen in der Lage war. Doch je mehr Aufmerksamkeit er bekam, desto mehr blühte er auf. Der Film zeigt die Entstehung der Aufnahme mit ergreifenden Szenen im Studio und außerhalb mit Stellungnahmen von Quincy Jones und Musikjournalist David Ritz. Kemper organisierte und finanzierte eine bestens besetzte Crew und Musiker wie Pianist Kenny Barron, Organist Joey DeFrancesco, Saxofonist Bob Mintzer und Schlagzeuger Peter Erskine. Der bekannte Schauspieler Joe Pesci, dessen Gesangsstimme deutliche Ähnlichkeit mit Scott‘s hat, singt mit Scott ein einfühlsames Duett über „The Nearness of You“. Dee Dee Bridgewater bemüht sich mitfühlend, die fragile Stimme Scott’s in „For Once in My Life“ in ihrem Duett nicht zu übertönen. Die Trompeter Till Brönner und Arturo Sandoval haben ebenso Gastauftritte wie die inzwischen verstorbenen James Moody und Oscar Castro-Neves. Hinterher ließ Kemper die Aufnahmen von einem tschechischen Streichorchester unterlegen. Das Ergebnis ist die wohl schönste Aufnahme, die Scott je gemacht hat. Die Erwartung Kempers, dass sich die amerikanischen Musik-Labels um die Veröffentlichung reißen würden, wurde enttäuscht. Jetzt hat er CD und Film selbst herausgebracht. Leider konnte Jimmy Scott das nicht mehr erleben. Er starb 2014.

Hans-Bernd Kittlaus 28.08.16