Four Brothers feat. Lucky Thompson and Barney Wilen


Four Brothers feat. Lucky Thompson and Barney Wilen
Sonorama

In den Archiven der deutschen Rundfunkanstalten schlummern unzählige Schätze der Jazz-Geschichte, von denen einige in den letzten Jahren auf CDs verfügbar wurden, leider unsystematisch und offenbar oft vom Zufall bestimmt. So bringt das Berliner Label Sonorama jetzt eine hörenswerte Aufnahme heraus, die im Jahr 1960 in Hamburg entstand. Der Titel „Four Brothers“ erinnert an einen Hit des Woody Herman Orchestra in den 1940er Jahren, der von Jimmy Giuffre geschrieben wurde und vier Saxofonisten (Stan Getz, Zoot Sims, Herbie Steward und Serge Chaloff) der Band gemeinsam und solistisch in den Mittelpunkt stellte. In Hamburg übernahmen diese Rollen der Amerikaner Lucky Thompson, der Schweiz-Franzose Barney Wilen, der Däne Bent Jaedig und der Deutsche Helmut Brandt, wobei dies allerdings keine Big Band Aufnahme ist und die „Four Brothers“ Komposition nicht in der Playlist auftaucht. Begleitet werden die Saxofonisten vielmehr von einem überzeugenden Quartett unter Leitung des österreichischen Pianisten Roland Kovac, das „Autumn Leaves“ und Kovacs „Edith“ allein bestreiten darf. Ansonsten stehen die Saxofonisten im Vordergrund. Thompson brilliert solistisch in seiner Ballade „One Last Goodbye“, geschmackvoll begleitet von Bassist Jürgen Ehlers. Wilen gestaltet Sonny Rollins‘ „Oleo“ ebenso mitreissend wie Brandt und Jaedig die Brandt-Kompositionen „Jahrgang ‚37“ und „Easy“. Dies ist zeitloser Modern Jazz dargeboten in verblüffend guter Tonqualität über eine großzügige Spieldauer von fast 80 Minuten. Die Aufnahme ist auf CD und Doppel-LP erhältlich.

Hans-Bernd Kittlaus 01.03.15