Brooklyn Jazz Underground Records


Brooklyn Jazz Underground Records

John Chin
Undercover
Brooklyn Jazz Underground BJUR 044

David Cook
Scenic Design
Brooklyn Jazz Underground BJUR 055

Josh Ginsburg
Zembla Variations
Brooklyn Jazz Underground BJUR 030

Alex Norris Organ Quartet
Extension Deadline
Brooklyn Jazz Underground BJUR 052

Jeremy Siskind
Housewarming
Brooklyn Jazz Underground BJUR 053

Angesichts der immer extremeren Lebenshaltungskosten in Manhattan zogen viele New Yorker Jazz-Musiker in den letzten 15 Jahren nach Brooklyn. Dort entstand eine eigene vielfältige Szene als Gegenpol zur eher kommerziellen Jazz-Szene Manhattans. So ist es nicht überraschend, dass vor einiger Zeit dort auch ein Label entstand – Brooklyn Jazz Underground, das jetzt auch in Deutschland vertrieben wird. Der Name suggeriert Avantgarde Jazz, doch das führt in die Irre. Tatsächlich demonstrieren die vorliegenden fünf CDs ein großes stilistisches Spektrum, das eher inside als outside liegt. Pianist John Chin, Amerikaner mit asiatischen Wurzeln, hat mit „Undercover“ eine Klaviertrio CD mit Bassist Orlando Le Fleming und Schlagzeuger Dan Rieser eingespielt, die Standards wie Ellington’s „Caravan“ und Coltrane’s „Countdown“ mit Eigenkompositionen mischt. Chin steht in der Tradition eines Ahmad Jamal, nennt aber auch Dorothy Donegan als Vorbild. Pianist David Cook legt mit „Scenic Design“ eine Quintett-Aufnahme vor, die viel Kraft aus der kreativen treibenden Rhythmusarbeit des Schlagzeuger Kendrick Scott zieht. Cook und Trompeter David Smith haben die besten solistischen Momente. Stilistisch erinnert die Postbop Musik an das Dave Douglas Quintet. Bassist Josh Ginsburg nahm seine „Zembla Variations“ mit einer All Star Band mit dem israelisch-New Yorker Saxofonisten Eli Degibri, Pianist George Colligan und Drummer Rudy Royston auf. Die acht Eigenkompositionen bieten hochkarätigen swingenden zeitgenössischen Jazz mit inspirierten solistischen Beiträgen aller vier Musiker, so etwa in „10,000 Leagues“. Colligan, diesmal an der Hammond Orgel, und Royston sind auch auf „Externsion Deadline“ dabei, der eher konventionell, aber durchaus inspiriert geratenen Postbop Session des Trompeter Alex Norris. Die Frontline kompletiert Saxofonist Gary Thomas mit einigen energiereichen Solos. Eine völlig andere Richtung beschreitet Pianist und Komponist Jeremy Siskind mit „Homecoming“. Hier steht Gesang im Vordergrund, mit kammermusikalischen Arrangements und geschmackvoller reduzierter Begleitung von Siskind’s Klavier und Lucas Pino’s Blaßinstrumenten. Den überwiegenden Teil der 13 Songs singt Nancy Harms, eine ausdrucksstarke Sängerin zwischen New York Cabaret, Kunstlied und Jazz. Gastauftritte haben Kendra Shank, „New York Voices“ Sänger Peter Eldridge und Kurt Elling. Siskind hat ein sehr gelungenes Konzeptalbum vorgelegt. Insgesamt überzeugt Brooklyn Jazz Underground mit einem hochwertigen vielseitigen Programm von Musikern, die in Deutschland noch nicht sehr bekannt sind.

Hans-Bernd Kittlaus 16.07.15