Universal / Concord 08880 7231412
Christian Scott weiß, dass er auch ohne
freundliches Lächeln fotogen ist. So blickt er etwas trotzig vom Cover seiner
neuen CD, was wohl unterstreichen soll, dass er mit dieser Musik politische
Aussagen zu einem weiten Themenspektrum verbindet, von der Behandlung der
Schwarzen im amerikanischen Polizei- und Justizsystem bis zu Homo-Ehe und
Abtreibung. Im Interview zieht er eine Verbindung zu den 60er Jahren nicht nur
politisch, sondern auch musikalisch, doch tatsächlich erinnert seine Musik eher
an den späten Miles Davis der 80er Jahre, ins Jahr 2010 transformiert. Über den
rockigen Schlägen von Drummer Jamire Williams und dem Ambient Sound von
Gitarrist Matthew Stevens bläst Scott seine Trompete mit hartem scharfem Klang,
oft unterstützt mit viel Hall. Schon der erste Titel „K.K.P.D." drückt
Aggression und Schmerz aus. Auch im weiteren Verlauf gelingt es Scott und seiner
Band, Stimmungen und Gefühle in zeitgemäßer Form zum Klingen zu bringen, vom
romantisch balladesken „The last broken heart" bis zu „Unending repentence", in
dem Pianist Milton Fletcher seine besten Momente hat. Mehr kann
Instrumentalmusik nicht leisten. Für den politischen Überbau bedarf es dann des
begleitenden Textes, doch die Musik kann gut für sich allein stehen.
Hans-Bernd Kittlaus
01.01.10