| Shirley Horn
May the Music Never End
Universal / Verve 076 028-2
Wenn der körperliche Zustand bestimmte
Tätigkeiten nicht mehr erlaubt, ist das für jeden Menschen schmerzlich,
besonders aber für Musiker. Shirley Horn hat eine chronische Erkrankung, die
sie schon seit dem Jahr 2000 in den Rollstuhl zwingt und ihr jetzt auch das
Klavierspiel unmöglich macht. So ist die vorliegende CD die erste Aufnahme in
ihrer mehr als vierzigjährigen Karriere, auf der sie sich nicht selbst auf dem
Klavier begleitet, sondern „nur" singt, überwiegend in den langsamen
Tempi, die sie so unverwechselbar zelebriert, ohne je den Spannungs-bogen zu
verlieren. Ihre Stimme klingt erstaunlich frisch und ausdrucksstark, sei es im bluesigen ‚Forget me’, im Beatles Song ‚Yesterday’ oder im wundervollen
‚Everything must change’. Pianist George Mesterhazy begleitet meisterhaft,
Bassist Ed Howard ersetzt den verstorbenen Charles Ables kompetent, mit dem Miss
Horn 33 Jahre zusammengewirkt hatte. Unverändert zu ihrer langjährigen
Standardbesetzung ist nur Schlagzeuger Steve Williams. Auf zwei Titeln, ‚Take
love easy’ und ‚Ill wind’, trägt Roy Hargrove gefühlvolle Trompetensolos
bei. Spektakulär ist hingegen das Mitwirken eines zweiten Gaststars, des
Pianisten Ahmad Jamal, in den Titeln ‚Maybe September’ und ‚This is all I
ask’. Zum ersten Mal überhaupt in seiner Karriere begleitet er eine
Sängerin, sicherlich eine Homage an Shirley Horn, die von vielen Musikern
verehrt wird. Mit dieser CD ist ihr trotz aller Widrigkeiten eine Aufnahme
gelungen, die zur besseren Hälfte ihrer Diskografie gehört.
Hans-Bernd Kittlaus 31.05.03
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