|
Hans-Bernd Kittlaus
Web Space
Navigation

Contact
email
me
| |
K i n d o
f B l u e
CD
Kritiken
|
|
|
Jamie Cullum
Twentysomething
Universal 06024 9865574
Die Musikindustrie hat erstaunlich lang gebraucht, eine recht offensichtliche
Marktlücke zu adressieren, die des männlichen Jazz-Gesangs. Doch nach den
gewaltigen Erfolgen von Diana Krall und insbesondere Norah Jones, die auch im
Pop-Bereich reüssierten, und den mehr oder minder erfolgreichen
Crossover-Versuchen etablierter Pop-Stars wie Robbie Williams und Rod Stewart
werden jetzt endlich Nachwuchssänger gefördert. Und glücklicherweise gibt es
große Talente. Das begann mit dem Amerikaner Peter Cincotti auf Concord und
setzt sich nun fort mit dem Briten Jamie Cullum. Der 23-jährige Sänger und
Pianist hatte nur eine selbstproduzierte CD (‚Pointless Nostalgic’ auf
Candid) veröffentlicht, dann köderte Universal UK ihn mit einem Vertrag, der
mit einer Million Pfund dotiert war. Die vorliegende CD ist das erste Resultat
dieses Vertrags und erreichte sehr schnell Platz 5 der britischen Pop-Charts.
Jetzt erscheint die CD auch in Deutschland und erweist sich keineswegs als
kommerzielles Retortenprodukt. Cullum geht erstaunlich locker und selbstbewusst
zu Werke. Seine Stimme drückt Persönlichkeit aus, hat Ecken und Kanten und
einen hohen Wiedererkennungswert. Das Programm ist eine abwechslungsreiche
Mischung aus Standards und Eigenkompositionen, die auch musikalisch überzeugt.
Cullum kann swingen. Wenn er ‚What A Difference A Day Made’ singt, versucht
er nicht, Dinah Washington oder Esther Phillips zu kopieren, und ‚I Get A Kick
Out Of You’ ist auch keine Sinatra-Kopie, sondern Cullum gibt den Songs seine
persönliche Note. Dazu griff er auf die Musiker zurück, mit denen er schon
zuvor arbeitete, insbesondere auf den Bassisten Geoff Gascoyne, der auch für
die Arrangements verantwortlich ist. ‚Twentysomething’ ist eine sehr
vergnügliche Scheibe, die alle Vorschusslorbeeren rechtfertigt und Hoffnung
macht, dass die Marktlücke nachhaltig geschlossen wird.
Hans-Bernd Kittlaus
22.02.2004
|
|