Während bislang das RealAudio Format klarer Marktführer für Musik im
Internet war, zeigen die Statistiken jetzt eine Verschiebung zum MP3
Format, das zwar bislang eher im Pop Bereich genutzt wird, aber zunehmend
auch für Jazz interessant wird. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen
wird bei MP3 eine Komprimierung bei nur geringer Qualitätseinbuße
vorgenommen, d.h. das gleiche Musikstück belegt in MP3 deutlich weniger
Speicherplatz als im RealAudio Format. Dementsprechend geht natürlich
auch ein Download schneller. Zum anderen gibt es im Netz eine Menge freie
Software zur Umwandlung von Musik in MP3, während die entsprechende
Software für RealAudio kostenpflichtig ist. Für den Konsumenten, der die
Musik-Dateien nicht abspeichern will, sondern nur im Streaming Mode
anhören will, macht das bei hinreichend hoher Leitungsgeschwindigkeit
keinen großen Unterschied, denn die notwendige Player Software kann er
für beide Formate kostenfrei aus dem Internet laden. Der RealAudio Player,
der in seiner neuesten Version auch MP3 abspielen kann, kann unter (1)
heruntergeladen werden. Umfassende Informationen zu MP3 mit Zugriff auf
Jazz Musik und Links zu entsprechender Software findet sich unter (2). Wie
immer weisen die Zahlen in Klammern auf die Adressen im separaten Kasten
hin. Das Eintippen können Sie sich ersparen, wenn Sie auf meine ‘Kind
of Blue’ Seiten (28) gehen, wo Sie diesen und die früheren Cyber Jazz
Artikel mit allen Links finden. Auch eine deutsche Site mit MP3 Musik gibt
es bereits (3), wobei allerdings das Jazz Angebot noch etwas dünn ist. Es
ist aber damit zu rechnen, daß analog zum Pop-Bereich auch die Jazz
Musiker die Vorteile der Verbreitung ihrer Musik übers Internet zunehmend
erkennen.
Musiker
Ein Musiker, für den das Internet bereits ein wichtiger Vertriebsweg
für seine CDs ist, ist der Schlagzeuger Gerry Hemingway. Auf seiner Site
(4), die er selbst betreut, finden sich Musikbeispiele, Informationen
über ihn und die verschiedenen Gruppen, in denen er spielt, und die
Möglichkeit, CDs zu erwerben. So verkauft er hier die neue BassDrumBone
CD ‘Cooked to Perfection’, die exzellente Live Aufnahmen mit Ray
Anderson und Mark Helias enthält und sonst nur bei Gerry Hemingways
Konzerten erhältlich ist. Auch Dirigent, Arrangeur und Komponist Lalo
Schifrin, der in diesem Jahr wieder mehrfach mit der WDR Big Band in
Deutschland zu erleben ist, nutzt seine Site (5) zum CD Vertrieb. Die
britische Sängerin Cleo Laine und ihr Ehemann Saxofonist John Dankworth
haben ihre Quarternotes, die sie seit Jahren regelmäßig an Fans per Post
verschicken, ins Internet gebracht (6). Die Sängerin Cassandra Wilson hat
ihre Site ‘Jazztrance’ (7) genannt und ihr einen entsprechenden leicht
esoterischen Touch gegeben, was aber ihre Verkaufsabsichten keineswegs
schmälert.
Jazz Festivals
Spanien wird zwar immer beliebter als Urlaubsland der Deutschen, aber
die durchaus interessanten spanischen Jazz Festivals finden hierzulande
noch nicht die gleiche Beachtung wie die in unseren direkten
Nachbarländern. Die Seiten der exzellent besetzten Festivals von San
Sebastian (8) und Vitoria-Gasteiz (9), die beide im Juli stattfinden,
zeigen, daß die Verbindung von Urlaub und Jazz in Spanien sehr lohnend
sein kann.
Deutsche Jazz Sites
Auch auf deutschen Sites können Musiker und Fans immer mehr
Jazz-relevante Informationen finden. So bietet das Deutsche
Musikinformationszentrum MIZ (10) Datenbanken zum Musikleben wie zum
Beispiel Fortbildungsangebote und Adreßverzeichnisse. Die Deutsche Jazz
Föderation (djf) (11) liefert Informationen über sich und ihr
Beratungsangebot. Die amerikanische Entwicklung findet jetzt zeitversetzt
auch in Deutschland statt - kaum noch ein deutscher Jazz Klub, der nicht
im Internet vertreten ist. Exemplarisch seien diesmal die wichtigen
Berliner Klubs Quasimodo (12) und A-Trane (13), der Jazz Club Singen (14)
und die schön aufgemachten Seiten ‘All that Jazz in Freising’ (15)
genannt. Ein Versuch, neuere amerikanische Ansätze auf Deutschland zu
übertragen, stellt Jazz to Jazz (16) dar.
Amerikanische Jazz Sites
Während die deutschen Sites bislang überwiegend germanisch nüchtern
daherkommen, sind die Amerikaner schon beim nächsten Schritt, d.h. neuen
Formen der Verquickung kommerzieller Interessen mit Nutzenaspekten und
Anreizen für Besucher der Sites. Ein schönes Beispiel ist
JerryJazzMusician (17), inzwischen mehrfach preisgekrönt. Hier sollen
zwar CDs verkauft werden, aber Design und Informationen geben dem Ganzen
eine sehr persönliche Note, die zum Wiederkommen einlädt. Sehr
ansprechend ist auch Gallery 41 (18) mit Kunst, Fotos, Interviews und
ähnlichem. Eine echte Fundgrube ist die Jazz Site der Mining Company
(19), die das Internet nach interessanten Jazz Informationen absucht und
ganz nebenbei noch etwas verkauft. Umfangreiche Sammlungen von Jazz CD
Besprechungen bieten Jazz Review (20) und 52nd Street (21), die
ganz zufällig immer gleich den Link dazu angeben, unter dem man die
jeweilige CD kaufen kann. Interessant sind auch The Jazz Scene (22),
Ronnie Wise’s Mainstream-orientierte Site (23) und Cjazz (24) für
Smooth Jazz. Ein Paradies für Fans des traditionellen Jazz ist The Red
Hot Jazz Archive (25), für brasilianische Musik ist The MPB Zone (26) zu
empfehlen, einen Avantgarde Fokus hat Out to Lunch (27).
Vielen Dank an alle, die mit ihren Zuschriften zu diesem Artikel
beigetragen haben! Entsprechende Hinweise sind natürlich immer
willkommen.
Hans-Bernd Kittlaus (e-mail: kittlaus
@ acm.org)
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Jazz-Adressen im Internet