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K i n d o f B l u e Cyber Jazz 13 Print-Version (erschienen 05/03) Die
Partystimmung in Börsensälen und auf Vorstandsetagen ist schon seit einiger
Zeit einer Tristesse gewichen, die kaum eine Branche stärker erfasst hat als
die Musik- und Medienkonzerne. Vivendi ist so heruntergewirtschaftet, dass
Vorstandschef Messier in die Wüste geschickt wurde. Für die Musiksparte sucht
man dringend einen Käufer. Betroffen sind die Jazz Labels der Universal Music
Group wie Verve und Impulse, die die Zahl ihrer aktuellen Vertragskünstler und
Neuveröffentlichungen deutlich reduziert haben. AOL Time Warner hat ebenfalls
die Bosse ausgewechselt und die Jazz-Sparte drastisch beschnitten. Sony hat
seinen Jazz-Bereich erstmal ganz dicht gemacht, d.h. bringt nur noch Reissues
unter Legacy. EMI, dem britischen Dauerübernahmekandidat, geht es mit seinem
Blue Note Label unter dem unverwüstlichen Bruce Lundvall noch am besten. Gerade
erst konnte Blue Note mit der Debut CD von Norah Jones einen Triumph bei den
Grammies feiern. Bleibt noch der fünfte Major Bertelsmann. Mit dem Rausschmiss
des einstigen Vorzeigemanagers Middelhoff schüttete man dort gleich das Kind
mit dem Bade aus und fuhr alle Internet-Aktivitäten massiv zurück. Der
Internet-Händler BOL wird in mehreren Ländern ganz vom Markt zurückgezogen
oder verkauft. Und das Middelhoff-Baby Napster stieß man gleich ganz ins Grab.
Dabei war Middelhoff mit Napster der einzige bei den fünf Majors, der zumindest
eine Idee hatte, wie die Musikindustrie unter den veränderten Rahmenbedingungen
zu neuen Geschäftsmodellen finden könnte. Doch durchgesetzt haben sich überall
zunächst mal die Hardliner, ohne dass es die geringsten Anzeichen gibt, dass
deren Ansätze zu Erfolgen führen. Der Abwärtstrend geht ungebrochen weiter,
was die Musikindustrie monokausal darauf zurückführt, dass die bösen Kunden
per Internet und/oder CD-Brenner massenhaft kopieren. Dem begegnet man mit
eigenwilligen Maßnahmen wie etwa einem sogenannten Kopierschutz. Der besteht
darin, dass in die Daten auf der CD Fehler eingebaut werden, die dazu führen,
dass Kopierprogramme versagen, aber die Fehlerkorrektur der Abspielgeräte damit
zurecht kommt. Dabei ist es nicht nur rechtlich fragwürdig, ein mutwillig
fehlerhaftes Produkt zu verkaufen, es verärgert auch die Kunden und ist von
versierten Programmierern schneller zu umgehen, als die Industrie die CDs
herstellen kann. Gegen die Tauschbörsen im Internet geht man rechtlich vor,
wobei für jeden langwierigen Rechtsstreit zwei neue Tauschbörsen entstehen,
deren Verfolgung aus technischen und/oder Standortgründen immer aussichtsloser
wird. Die eigenen Versuche mit Internet-Plattformen, die Downloads gegen
Bezahlung anbieten, sind weitgehend erfolglos. Neue Formate wie SACD und DVD-A
lassen sich nicht so schnell einführen wie die CD vor 20 Jahren, sondern treten
eher neben die CD und die wiedererstarkte LP und erhöhen so die Kosten für
Industrie und Handel. Die
Musikindustrie steckt in der Sackgasse. Um zurück auf den Pfad der Tugend,
sprich des Profits, zu kommen, ist zunächst ein schonungsloses Infragestellen
vermeintlicher Wahrheiten nötig. Kann es sinnvoll sein, dass eine Industrie die
eigenen Kunden fortgesetzt verärgert? Oder floppen die Internet-Ansätze der
Industrie wie Pressplay (1) oder MusicNet (2) nicht hauptsächlich, weil die
Zielgruppe die Industrie mittlerweile als Feind betrachtet? Macht es für die
Musikindustrie überhaupt Sinn, in die neuen Formate SACD und DVD-A zu gehen,
wenn die bisherige Hauptzielgruppe schon mit der MP3-Klangqualität zufrieden
ist und das japanische Jazz-Label Venus Records (3) mit seinem
Mastering-Verfahren 24bit Hyper Magnum Sound in den letzten drei Jahren bewiesen
hat, welch fantastischer Klang aus dem herkömmlichen CD-Format herauszuholen
ist, wenn man nur will. Oder wird die Formatvielfalt nicht eher zur Verwirrung
und damit Verstärkung der Kaufzurückhaltung der Kunden führen? Ist das
Kopieren wirklich das Problem? Schließlich wird schon seit Jahrzehnten
massenhaft auf Kassetten kopiert. Oder liegt das Problem nicht eher in der
Attraktivität des Originalprodukts im Verhältnis zur digitalen Kopie wie auch
im Verhältnis zu Konsumalternativen wie Handy etc.? Macht es überhaupt Sinn,
an der Jugend als primärer Zielgruppe festzuhalten angesichts der
demografischen Veränderungen und der Verteilung des verfügbaren Einkommens?
Ist es nicht ökonomisch konsequent, dass die Zielgruppe für die seit Jahren im
Pop-Bereich produzierte Wegwerfware auch nur noch Wegwerfpreise bezahlen will
(auch ein Internet Download kostet Geld, aber nur ein wenig)? Das Leid der
Majors ist die Freude der kleinen Labels. Lange war es für Jazz Fans nicht mehr
so attraktiv wie derzeit, den Output kleiner amerikanischer Labels anzuschauen. Leider haben
die meist keinen deutschen Importeur. Und auch die zuverlässige Quelle Jazz by
Post, die deutsche Jazz Fans seit Jahrzehnten mit solchen Besonderheiten
versorgte, hat zusammen mit ihrem misslungenen Internet-Auftritt den Betrieb
eingestellt. Zwar gibt es weiterhin die dazugehörige gut sortierte Jazz
Abteilung im Kaufhaus Beck am Münchener Marienplatz, doch der Rest Deutschlands
ist abgehängt. Andererseits hat das Internet aber die Bezugs- und Informationsmöglichkeiten
deutlich verbessert. Auf der Handelsseite dominiert Amazon sowohl in Deutschland
wie auch in USA immer eindeutiger. So hat Amazon die amerikanischen Sites von
CDNow und Borders übernommen und sein Angebot an japanischen Importen vergrößert.
Doch selbst Amazon führt nicht alle amerikanischen Jazz-Labels. Zu alternativen
Bezugsquellen siehe die e-commerce-Liste in (30). Jazz
Fotografien begleiten die Musik schon seit fast hundert Jahren. Lohnende Sites
zum Betrachten und Erwerb sind die Mosaic Gallery (4) und Jazz Image Online (5).
Für LP- und CD-Sammler ist die Jazz Discography von Tom Lord von Interesse, die
jetzt komplett als Buch oder CD verfügbar ist (6). Eine neue Jazz Service Site
mit Schwerpunkt Großbritannien ist The Jazz Site (7). privatejazz (8) hat einen
hörenswerten neuen Jazz Radiosender im Netz gestartet, für den man bezahlen
muss. Freunde lateinamerikanischer Musik können sich bei Latin Connection (9)
versorgen. Für Avantgarde-Fans sind das TryTone Festival (10) in Amsterdam wie
auch das Kölner Loft (11) gute Adressen. Die Klavierkonzert-Reihe Jazz am Rhein
informiert unter (12) über ihre Konzerte. Weitere New Yorker Klubs sind online
zu finden, so etwa der Avantgarde Klub Tonic (13), die Jazz Gallery (14) sowie
Blue Note (15) mit neuen Live Übertragungen. Der im Dezember neu gegründete
Bundesverband Jazz stellt sich unter (16) vor. Musiker Wynton
Marsalis (17) hat seine Web Site sehr aufwendig gestaltet mit viel Animation und
aktuellen Live Aufnahmen. Pianist Junior Mance (18) gibt sich da etwas
bescheidener, aber mit guten Informationen zu seinen nicht immer leicht zu
beschaffenden CDs. Der West Coast Trompeter und Arrangeur Carl Saunders stellt
sich unter (19) dar. Umfangreiche Informationen über Auftritte, Aufnahmen etc.
finden sich zu den Sängerinnen Dianne Reeves (20) und Karrin Allyson (21). Der
höchst erfolgreiche junge Pianist Jason Moran informiert unter (22), Posaunist
Ray Anderson hat neben den üblichen Informationen auch einen Nachruf auf seine
kürzlich verstorbene Ehefrau auf seine Site (23) gestellt. Avantgarde
Tenorsaxofonist Ken Vandermark listet sein bereits sehr umfangreiches Werk unter
(24) auf. Der in Deutschland lebende Flötist Charles Davis betreibt (25).
Saxofonist und Komponist Nicolas Simion stellt sich unter (26) dar. Pianist
Stefan Heidtmann ist unter (27) zu finden, Saxofonist Wolfgang Obert unter (28)
und Sängerin Pascal von Wroblewsky unter (29). Vielen Dank
an alle, die mit ihren Zuschriften zu diesem Artikel beigetragen haben!
Entsprechende Hinweise sind natürlich weiterhin willkommen. Wie immer sind alle
Links aus diesem Artikel wie auch die früheren auf meiner Web Site ‚Kind of
Blue’ (30) zu finden. Hans-Bernd
Kittlaus (e-mail: kittlaus @
acm.org) -------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Jazz-Adressen im Internet |