Hans-Bernd Kittlaus

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K i n d  o f  B l u e

Cyber Jazz 4

Print-Version  (erschienen 3/98)

Diese Ausgabe von Cyber Jazz ist dem Thema ‘Jazz Audio Dateien im Internet’ gewidmet, d.h. der Möglichkeit, Jazz Musik über das Internet anzuhören. Um in den Genuß des immer größer werdenden Angebots in diesem Bereich zu kommen, empfiehlt sich eine Modem-Verbindung mit mindestens 32 kbit pro Sekunde, besser noch eine ISDN Verbindung. Die Geschwindigkeit ist deswegen wichtig, weil sich als Standard im Netz zunehmend die Software von Real Audio (20) durchsetzt, betrieben im ‘Streaming Mode’, d.h. Sie laden nicht erst eine komplette Datei auf Ihren PC herunter, die Sie hinterher anhören, sondern Sie hören bereits während des Herunterladens ohne die Daten dauerhaft speichern zu müssen. Dies erlaubt insbesondere auch die Live-Übertragung von Konzerten im Internet und das Anhören von sehr langen Audio Dateien, die Sie aus Platzgründen möglicherweise nicht auf Ihrem PC speichern können oder wollen. Die Real Audio Software, die Sie zum Anhören brauchen, können Sie kostenlos unter (20) auf Ihren PC herunterladen. Wie immer verweisen die Zahlen in Klammern auf die Internet Adressen im separaten Kasten. Das Eintippen dieser Adressen können Sie sich ersparen, indem Sie die komplette Link-Liste unter (22) verwenden.

Jazz rund um die Uhr

Welcher deutsche Jazz Fan hat nicht bei einem USA Besuch schon davon geträumt, einen der hervorragenden amerikanischen 24-Stunden-Jazz-Radiosender in Deutschland empfangen zu können. Dieser Traum ist jetzt wahr geworden, denn seit kurzem ist WBGO übers Internet zu empfangen (1), der Jazz-Sender aus Newark, New Jersey, der auch Manhattan mit Jazz rund um die Uhr versorgt. Das Programm des Senders können Sie unter (2) anschauen, wobei 6 Stunden Zeitdifferenz einzurechnen sind. Highlights sind Marian McPartlands Piano Jazz, Nancy Wilsons Jazz Profiles oder Branford Marsalis’ JazzSet. Aus dem New Yorker Club Blue Note wird fast wöchentlich ein Konzert live übertragen (3). Die Übertragungen der letzten Monate sind als Konserve abrufbar, zur Zeit z.B. McCoyTyner with Strings oder George Mraz. Für Old Time Fans gibt es eine erstaunlich große Sammlung von abrufbaren kompletten Titeln aus der Frühzeit des Jazz unter (4).

Marketing mit Sound

Mehr und mehr CD Labels entdecken die Chancen, die das Internet für das Marketing von Jazz Musik bietet. Unter finanziellen Gesichtspunkten ist es nicht verwunderlich, daß zunächst vor allem die großen Labels angefangen haben, Sound Samples aus Neuerscheinungen oder ihrem Katalog anzubieten. Das bedeutet in den meisten Fällen, Sie können in ein bis fünf Titel einer CD hineinhören mit Ausschnitten von mindestens 30 Sekunden Dauer, häufig auch länger. Gute Beispiele sind Verve (5) oder mit geringerer Zahl von Sound Samples Blue Note (6) und Warner (7). Doch auch kleinere Labels erkennen zunehmend die Vorteile, ihren Endkunden die Möglichkeit zum Anhören von Sound Samples zu geben, die die meisten CD Läden nicht bieten, und investieren in ihre Internet Sites. So stellt Telarc (8) etwa 6000 Sound Samples bereit. Die New Yorker Knitting Factory (9) bietet neben Samples aus ihren CDs auch gelegentlich Live Übertragungen aus dem Club an. Das stark technologie-orientierte N2K Label (10) hat seinen Musikern jeweils eigene Home Pages eingerichtet, auf denen alle CD Titel anspielbar sind, z.B. (11) für die exzellente ‘Monk on Monk’ CD von T.S. Monk mit einer All-Star Besetzung. Auch Musiker beginnen auf ihren Home Pages Sound Samples anzubieten, so z.B. Charlie Haden (12). Interessant vor allem für Jazz Saxofonisten und ihre Fans ist (13), eine Site, die dem Saxofon gewidmet ist. Darunter hat USA Horn seine Home Page, ein renommierter Vertreiber von Blaßinstrumenten in USA, der Saxofonisten aus aller Welt (nach Vorauswahl) die Möglichkeit gibt, sich mit Sound Samples zu präsentieren (14). Aus Deutschland ist hier bereits die Kölner Saxofon Mafia vertreten.

Online CD Kauf heute und morgen

Nicht nur die oben genannten Labels offerieren ihren Kunden, ihre CDs direkt übers Internet zu bestellen und sich per Post zuschicken zu lassen. Auch nicht Label-gebundene Vertriebsfirmen sind im Internet präsent, so z.B. CDNow (15), die CD-Laden-Kette Tower Records (16) oder der von N2K betriebene Music Boulevard (17). Alle drei decken den überwiegenden Teil des amerikanischen CD Marktes ab und bieten zu vielen CDs Informationen wie Cover-Abbildung, Besetzungs- und Titellisten sowie vielfach Sound Samples. Die Bezahlung erfolgt über Kreditkarte, wobei der Versand von Kreditkarten Informationen über das Internet immer noch mit einem gewissen Mißbrauchsrisiko verbunden ist. Auch Deutsche können bestellen, was sich aber angesichts des aktuellen Dollar-Kurses, der Versandkosten und des Verlustrisikos beim Postversand finanziell kaum lohnt, also nur interessant ist für CDs, die in Deutschland nicht erhältlich sind.

Die schon seit einiger Zeit kursierenden Visionen über den Musik-Kauf der Zukunft im Internet werden allmählich Realität, basierend auf der Software von Liquid Audio (21), die Sie sich ebenfalls kostenlos herunterladen können. Danach kaufen Sie nicht mehr komplette vorgefertigte CDs, sondern einzelne Titel, in die Sie per Sound Sample erstmal hineinhören können. Entscheiden Sie sich für den Kauf, wird zunächst die Bezahlung abgewickelt über Kreditkarte, in Zukunft vielleicht über Cyber Money, also virtuelles Geld, bzw. Geldkarte, dann wird Ihnen der komplette Titel in CD-Qualität auf ihren PC heruntergeladen. Dort können Sie ihn nicht-kommerziell nutzen, d.h. auf ihrem PC speichern und/oder selbst auf eine beschreibbare CD übertragen. Geräte dazu können Sie inzwischen schon für unter DM 1.000,- erwerben. Angebote auf Basis von Liquid Audio finden Sie unter den oben schon genannten Music Boulevard (17) und Knitting Factory (9) sowie bei Rounder Records (18), dem Jazz und Blues Label aus New Orleans. Als Preismodelle gibt es Preis pro Titel, z.B. 99 Cents, oder Preis pro Minute, z.B. 10 Cents. Zur Zeit mag dieser Vertriebsweg noch etwas zäh funktionieren wegen der geringen Verbreitung der Geräte zum CD-Beschreiben in Privathaushalten. Daher beschreitet Musicmaker (19) einen anderen Weg zum Verkauf von einzelnen Titeln. Hier werden in großer Zahl Einzeltitel aus den Katalogen der Labels Fantasy, 32 Jazz (unter anderem mit dem Muse-Katalog) und Alligator angeboten, in die Sie hineinhören können und aus denen Sie sich komplette CDs zusammenstellen können, die Ihnen dann per Post zugeschickt werden. Der Preis liegt bei $9,95 für eine CD mit bis zu 5 Titeln plus $1 pro zusätzlichem Titel plus Versandkosten. Angesichts dieser Entwicklungen sind die Zukunftssorgen des CD Einzelhandels gut verständlich.

 

Hans-Bernd Kittlaus (e-mail: kittlaus @ acm.org)

 

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Jazz-Adressen im Internet                            

Jazz rund um die Uhr
(1)    WBGO Übertragung http://wbgo.org
(2)    WBGO Programm http://wbgo.org
(3)    Live Konzerte gelöscht
(4)    Old Time Jazz http://www.redhotjazz.com/bands.html
Marketing mit Sound
(5)    Verve Label http://www.vervemusicgroup.com
(6)    Blue Note Label http://www.bluenote.com
(7)    Warner Labels gelöscht
(8)    Telarc Label http://www.telarc.com
(9)    Knitting Factory http://www.knittingfactory.com
(10)  N2K Label gelöscht
(11)  T.S. Monk gelöscht
(12)  Charlie Haden http://www.charliehadenmusic.com
(13)  Saxofon Seiten http://www.saxophone.org
(14)  Saxofon Exposure gelöscht
Online CD Kauf heute und morgen
(15)   CDNow gelöscht
(16)   Tower Records http://www.towerrecords.com
(17)   Music Boulevard gelöscht
(18)   Rounder Records  http://www.rounder.com
(19)   Musicmaker gelöscht
Software
(20)   Real Audio http://www.real.com
(21)   Liquid Audio http://www.liquidaudio.com
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