Diese Ausgabe von Cyber Jazz ist dem Thema ‘Jazz Audio Dateien im
Internet’ gewidmet, d.h. der Möglichkeit, Jazz Musik über das Internet
anzuhören. Um in den Genuß des immer größer werdenden Angebots in
diesem Bereich zu kommen, empfiehlt sich eine Modem-Verbindung mit
mindestens 32 kbit pro Sekunde, besser noch eine ISDN Verbindung. Die
Geschwindigkeit ist deswegen wichtig, weil sich als Standard im Netz
zunehmend die Software von Real Audio (20) durchsetzt, betrieben im ‘Streaming
Mode’, d.h. Sie laden nicht erst eine komplette Datei auf Ihren PC
herunter, die Sie hinterher anhören, sondern Sie hören bereits während
des Herunterladens ohne die Daten dauerhaft speichern zu müssen. Dies
erlaubt insbesondere auch die Live-Übertragung von Konzerten im Internet
und das Anhören von sehr langen Audio Dateien, die Sie aus Platzgründen
möglicherweise nicht auf Ihrem PC speichern können oder wollen. Die Real
Audio Software, die Sie zum Anhören brauchen, können Sie kostenlos unter
(20) auf Ihren PC herunterladen. Wie immer verweisen die Zahlen in
Klammern auf die Internet Adressen im separaten Kasten. Das Eintippen
dieser Adressen können Sie sich ersparen, indem Sie die komplette
Link-Liste unter (22) verwenden.
Jazz rund um die Uhr
Welcher deutsche Jazz Fan hat nicht bei einem USA Besuch schon davon
geträumt, einen der hervorragenden amerikanischen
24-Stunden-Jazz-Radiosender in Deutschland empfangen zu können. Dieser
Traum ist jetzt wahr geworden, denn seit kurzem ist WBGO übers Internet
zu empfangen (1), der Jazz-Sender aus Newark, New Jersey, der auch
Manhattan mit Jazz rund um die Uhr versorgt. Das Programm des Senders
können Sie unter (2) anschauen, wobei 6 Stunden Zeitdifferenz
einzurechnen sind. Highlights sind Marian McPartlands Piano Jazz, Nancy
Wilsons Jazz Profiles oder Branford Marsalis’ JazzSet. Aus dem New
Yorker Club Blue Note wird fast wöchentlich ein Konzert live übertragen
(3). Die Übertragungen der letzten Monate sind als Konserve abrufbar, zur
Zeit z.B. McCoyTyner with Strings oder George Mraz. Für Old Time Fans
gibt es eine erstaunlich große Sammlung von abrufbaren kompletten Titeln
aus der Frühzeit des Jazz unter (4).
Marketing mit Sound
Mehr und mehr CD Labels entdecken die Chancen, die das Internet für
das Marketing von Jazz Musik bietet. Unter finanziellen Gesichtspunkten
ist es nicht verwunderlich, daß zunächst vor allem die großen Labels
angefangen haben, Sound Samples aus Neuerscheinungen oder ihrem Katalog
anzubieten. Das bedeutet in den meisten Fällen, Sie können in ein bis
fünf Titel einer CD hineinhören mit Ausschnitten von mindestens 30
Sekunden Dauer, häufig auch länger. Gute Beispiele sind Verve (5) oder
mit geringerer Zahl von Sound Samples Blue Note (6) und Warner (7). Doch
auch kleinere Labels erkennen zunehmend die Vorteile, ihren Endkunden die
Möglichkeit zum Anhören von Sound Samples zu geben, die die meisten CD
Läden nicht bieten, und investieren in ihre Internet Sites. So stellt
Telarc (8) etwa 6000 Sound Samples bereit. Die New Yorker Knitting Factory
(9) bietet neben Samples aus ihren CDs auch gelegentlich Live
Übertragungen aus dem Club an. Das stark technologie-orientierte N2K
Label (10) hat seinen Musikern jeweils eigene Home Pages eingerichtet, auf
denen alle CD Titel anspielbar sind, z.B. (11) für die exzellente ‘Monk
on Monk’ CD von T.S. Monk mit einer All-Star Besetzung. Auch Musiker
beginnen auf ihren Home Pages Sound Samples anzubieten, so z.B. Charlie
Haden (12). Interessant vor allem für Jazz Saxofonisten und ihre Fans ist
(13), eine Site, die dem Saxofon gewidmet ist. Darunter hat USA Horn seine
Home Page, ein renommierter Vertreiber von Blaßinstrumenten in USA, der
Saxofonisten aus aller Welt (nach Vorauswahl) die Möglichkeit gibt, sich
mit Sound Samples zu präsentieren (14). Aus Deutschland ist hier bereits
die Kölner Saxofon Mafia vertreten.
Online CD Kauf heute und morgen
Nicht nur die oben genannten Labels offerieren ihren Kunden, ihre CDs
direkt übers Internet zu bestellen und sich per Post zuschicken zu
lassen. Auch nicht Label-gebundene Vertriebsfirmen sind im Internet
präsent, so z.B. CDNow (15), die CD-Laden-Kette Tower Records (16) oder
der von N2K betriebene Music Boulevard (17). Alle drei decken den
überwiegenden Teil des amerikanischen CD Marktes ab und bieten zu vielen
CDs Informationen wie Cover-Abbildung, Besetzungs- und Titellisten sowie
vielfach Sound Samples. Die Bezahlung erfolgt über Kreditkarte, wobei der
Versand von Kreditkarten Informationen über das Internet immer noch mit
einem gewissen Mißbrauchsrisiko verbunden ist. Auch Deutsche können
bestellen, was sich aber angesichts des aktuellen Dollar-Kurses, der
Versandkosten und des Verlustrisikos beim Postversand finanziell kaum
lohnt, also nur interessant ist für CDs, die in Deutschland nicht
erhältlich sind.
Die schon seit einiger Zeit kursierenden Visionen über den Musik-Kauf
der Zukunft im Internet werden allmählich Realität, basierend auf der
Software von Liquid Audio (21), die Sie sich ebenfalls kostenlos
herunterladen können. Danach kaufen Sie nicht mehr komplette
vorgefertigte CDs, sondern einzelne Titel, in die Sie per Sound Sample
erstmal hineinhören können. Entscheiden Sie sich für den Kauf, wird
zunächst die Bezahlung abgewickelt über Kreditkarte, in Zukunft
vielleicht über Cyber Money, also virtuelles Geld, bzw. Geldkarte, dann
wird Ihnen der komplette Titel in CD-Qualität auf ihren PC
heruntergeladen. Dort können Sie ihn nicht-kommerziell nutzen, d.h. auf
ihrem PC speichern und/oder selbst auf eine beschreibbare CD übertragen.
Geräte dazu können Sie inzwischen schon für unter DM 1.000,- erwerben.
Angebote auf Basis von Liquid Audio finden Sie unter den oben schon
genannten Music Boulevard (17) und Knitting Factory (9) sowie bei Rounder
Records (18), dem Jazz und Blues Label aus New Orleans. Als Preismodelle
gibt es Preis pro Titel, z.B. 99 Cents, oder Preis pro Minute, z.B. 10
Cents. Zur Zeit mag dieser Vertriebsweg noch etwas zäh funktionieren
wegen der geringen Verbreitung der Geräte zum CD-Beschreiben in
Privathaushalten. Daher beschreitet Musicmaker (19) einen anderen Weg zum
Verkauf von einzelnen Titeln. Hier werden in großer Zahl Einzeltitel aus
den Katalogen der Labels Fantasy, 32 Jazz (unter anderem mit dem
Muse-Katalog) und Alligator angeboten, in die Sie hineinhören können und
aus denen Sie sich komplette CDs zusammenstellen können, die Ihnen dann
per Post zugeschickt werden. Der Preis liegt bei $9,95 für eine CD mit
bis zu 5 Titeln plus $1 pro zusätzlichem Titel plus Versandkosten.
Angesichts dieser Entwicklungen sind die Zukunftssorgen des CD
Einzelhandels gut verständlich.
Hans-Bernd Kittlaus (e-mail: kittlaus
@ acm.org)
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Jazz-Adressen im
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