Internet - das Netz der Netze ist nun auch in Deutschland nicht mehr PC
Freaks und Hackern vorbehalten, sondern wird mit schöner Regelmäßigkeit
in der Publikumspresse behandelt. Selbst der Bundeskanzler hält
Datenautobahn nicht mehr für ein Thema des Verkehrsministeriums. Höchste
Zeit also für einen Überblick, was dieses ursprünglich amerikanische
Kommunikationsmedium für Möglichkeiten für den ebenso ursprünglich
amerikanischen Jazz bietet.
Es sei gleich vorweg gesagt, daß hier möglichst wenig von Technik und
möglichst viel von Inhalten die Rede sein wird. Wer also technische
Informationen zum Kauf von Hard- und Software oder zur Funktionsweise des
Internet sucht, sei auf die einschlägige Fachliteratur bzw. den
Fachhandel verwiesen. Hier nur soviel: Um von Ihrem Wohnzimmersessel aus
in den Genuß des Internet zu kommen, brauchen Sie einen Telefon- bzw.
ISDN-Anschluß, einen PC mit Modem oder ISDN-Karte, Browser Software (die
das ‘Fenster’ zum Internet darstellt) und einen Vertrag mit einem
Service-Provider, d.h. einer Firma, die Ihnen eine Telefonnummer zur
Verfügung stellt, über die Sie sich ins Internet einwählen können, und
dafür Gebühren kassiert. An die Telekom müssen Sie natürlich noch
zusätzlich Leitungsgebühren zahlen, deshalb sollte die Telefonnummer
ihres Providers möglichst im Nahbereich liegen. Da insbesondere die
kommerziellen amerikanischen Informationsanbieter sich gegenseitig
überbieten in der graphischen Aufbereitung und der Ausnutzung neuester
technischer Möglichkeiten, ist die Verwendung der jeweils neuesten
Version der Browser-Software zu empfehlen. Da mit Graphik, Audio und Video
sehr große Datenmengen übertragen werden müssen, lohnt sich die
Investition in ISDN-Anschluß und -karte, vorausgesetzt daß Ihr
Service-Provider auch in der Lage ist, die damit mögliche
Übertragungsgeschwindigkeit von 64000 Bits pro Sekunde zu unterstützen.
Geringere Geschwindigkeiten bedeuten, daß Sie entsprechend länger warten
müssen, bis eine Informationsseite auf Ihrem Bildschirm sichtbar wird.
Nachdem Sie diese kleinen technischen (und finanziellen) Hürden
überwunden haben, kann die Reise in den Cyberspace beginnen. Dieses Wort
bezeichnet die virtuelle Welt und wurde übrigens von William Gibson in
seinem Science Fiction Roman ‘Neuromancer’ 1984 erfunden. Im folgenden
werden exemplarisch und ohne irgendeinen Anspruch auf Vollständigkeit
Informationsangebote beschrieben, die der Autor für jazz-relevant und
interessant hält. Jede Informationsseite im World Wide Web (das ist der
Teil des Internet, der hier von Interesse ist) hat eine Adresse. Die im
folgenden Text jeweils in Klammern stehende Nummer verweist auf die
dazugehörige Adresse in der Liste im separaten Kasten.
USA
In den USA ist das Internet bereits zum selbstverständlichen
Bestandteil der Kommunikationsinfrastruktur geworden. Ein Geschäftsmann,
der nicht seine e-mail Adresse auf seiner Visitenkarte hat, gilt als
rückständig, nicht nur EDV Firmen sind mit Informationsseiten präsent,
selbst Restaurants stellen ihre aktuelle Speisekarte ins Netz.
Dementsprechend ist auch das Jazz Angebot im Netz inzwischen riesig.
Kommerziell orientiert ist Jazz Centralstation (1). Hier ist eine
Suchmaschine enthalten, mit der Informationen über Musiker abrufbar sind.
Integriert sind Seiten der amerikanischen Zeitschrift Jazz Times sowie ein
Bestellservice für CDs mit der Möglichkeit sich direkt Ausschnitte
anzuhören. Links, d.h. Verbindungen zu Jazz Labels und anderen Jazz
Informationen sind ebenfalls zu finden. Eine ähnliche Ausrichtung hat
auch Jazz Online (2). Eine interessante Online Jazz Zeitschrift ist
JazzNow (3).
Sehr nützlich ist der All Music Guide (4), der zwar seinem Untertitel
‘Complete Online Database of Recorded Music’ nicht ganz gerecht wird,
aber doch Zugriff auf eine erstaunlich große Datenbank bietet, in der man
detaillierte Biographien und Diskographien für eine Vielzahl von Jazz
Musikern findet.
Einige Jazz Radiosender sind mit gutem Angebot nicht nur über ihr
Programm, sondern auch mit allgemeinen Jazz Infos präsent. So bietet der
New Jersey/New York Sender WBGO (5) unter anderem eine sehr umfangreiche
Geburtsdatenliste von Jazz Musikern. WNUR, an der North Western University
beheimatet, bietet eine der umfangreichsten Jazz Informationssammlungen
unter dem Namen WNUR-FM Jazz Web (6), in der unter anderem
Musikerbiographien und Jazz Links z.B zu Jazz Labels zu finden sind.
Ebenfalls ausgezeichnet ist das Angebot der Twin City Jazz Society in
Kansas City (7) mit Links zu Labels, Musikern, Festivals, Zeitschriften
etc.
Informationen über einzelne Musiker oder Gruppen finden sich häufig
auf den Seiten ihrer Labels und beinhalten Biographisches, Interviews,
Diskographien und Tourneedaten. Eine wachsende Zahl von Musikern richtet
sich aber inzwischen eigene Informationsangebote ein. Beispiele sind die
sehr ansprechend aufgemachten Seiten der kanadischen Sängerin Holly Cole
(8) oder der West Coast Sängerin Madeline Eastman (9).
Auch Jazz Clubs sind zunehmend im Netz präsent. So gibt es eine gute
Liste der New Yorker Clubs (10) mit Links zu ihren aktuellen
Programminformationen, die nicht nur vor einer Reise reizvoll zu lesen
ist. Gelungen ist beispielsweise das Angebot der Knitting Factory (11),
unter dem Informationen über Klub, Musiker und Konzerte zu finden sind.
Gelegentlich werden auch Konzerte live im Internet übertragen, z.B. ließ
man im Rahmen des letzten North Sea Jazz Festivals zwei Musiker in der New
Yorker Knitting Factory mit zwei Musikern in Den Haag musizieren und
übertrug das Ganze im Netz. Eine schöne Ausstellung von Jazz Gemälden
zeigt die Electronic Gallery (12), Ray Avery Fotos (13) sind ebenfalls
anzuschauen und zu ordern.
Europa
In Europa hinkt die Nutzung des Internet etwa zwei Jahre hinter USA
hinterher. Dies liegt unter anderem an den abschreckend hohen
Telefongebühren und an der generell langsameren Technikakzeptanz.
Dementsprechend ist auch das Angebot im Netz noch nicht so umfangreich.
Trotzdem gibt es bereits interessante Angebote. In einigen Ländern hat
man versucht, jeweils eine Adresse einzurichten, unter der alle
Jazz-Informationen des Landes zu finden sind. In Frankreich ist das Jazz
en France (14), in Italien Jazz Italia (15) und in den Niederlanden das
etwas hochtrabend benannte World Wide Jazz Web (16). Hier finden sich
Informationen über Festivals, Klubs, Musiker etc. Auch einzelne Festivals
wie etwa das Den Haager North Sea Jazz Festival (17) sind im Netz und
bieten in den Monaten vor dem Festival den aktuellen Stand des Programms.
Nicht zuletzt stellen auch Jazz Fans privat nützliche Informationen ins
Netz, so etwa der Belgier Albrecht Heefer (18), der unter anderem
Diskographien von Dolphy und Mingus bietet.
Deutschland
In Deutschland hat sich bislang keine zentrale Jazz Adresse etabliert,
in Nordrhein-Westfalen gibt es ‘Jazz in NRW’ (19). Gibt man in der
Suchmaschine von web.de (20) den Begriff Jazz ein, erhält man eine ganze
Liste von jazz-relevanten Adressen. Als Beispiele seien genannt der
Münchner Klub Unterfahrt (21), der thüringische Jazz Klub Jazz im
Paradies e.V. (22) und das WDR Jazz Radio (23). Im kommerziellen Bereich
ist das Angebot noch gering, zu nennen sind z.B. Motor Music (24), die den
deutschen Vertrieb für das Verve Label machen, oder Bear Family Records
(25). Auch die naheliegende Adresse ‘http://www.jazz.de’
hat sich jemand gesichert: der Augsburger CD Händler Kröll & Nill.
Für diejenigen, die noch keine Internet Erfahrungen gemacht haben, an
dieser Stelle noch einige Warnungen: Da jeder jede beliebige Information
ins Netz stellen kann und es keine Kontrolle darüber gibt, sind
Wahrheitsgehalt und Aktualität höchst unterschiedlich. Anders
ausgedrückt, beim Netz-Surfen (so nennt man es, wenn man sich mehr oder
minder ziellos von einem Link zum nächsten durchs Netz hangelt) kommen
auf eine interessante mindest fünf uninteressante Seiten. Sie können
zwar auf diese Weise unerwartete interessante Funde machen, aber auch viel
Zeit und Geld verschwenden.
Adressen können sich ändern. Wenn also eine der angegebenen Adressen
ins Leere führt, beschweren Sie sich bitte nicht, sondern setzen Sie eine
Suchmaschine ein, um gegebenfalls die neue Adresse herauszufinden.
Populäre Suchmaschinen sind zum Beispiel Lycos (26) oder Yahoo (27).
Da es noch kaum etablierte Sicherungsverfahren für finanzielle
Transaktionen übers Internet gibt, ist das Versenden von
Kreditkarteninformationen z.B. an CD Händler übers Netz riskant, d.h. es
besteht die Gefahr, daß diese Informationen Unbefugten in die Hände
fallen. Lassen Sie sich durch diese Warnungen nicht abschrecken! Das
Surfen im Internet macht auch Spaß! Wenn Sie dabei auf lohnende
jazz-relevante Adressen stoßen, würde ich mich über eine Nachricht
freuen, um die Adresse in einem Folgeartikel veröffentlichen zu können.
Meine e-mail Adresse ist ‘kittlaus @
acm.org’.
Hans-Bernd Kittlaus
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Jazz-Adressen im
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