Hans-Bernd Kittlaus

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Cyber Jazz 14

Print-Version (erschienen 03/04)

 

Die Geschäftszahlen der großen Musikkonzerne sind 2003 nochmals in den Keller gegangen. Nachdem jeder mit jedem die Möglichkeit eines Zusammenschlusses ausgelotet hatte, haben sich jetzt Bertelsmann und Sony durchgerungen, ihre Musiksparten zusammenzulegen. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden bietet dieses Vorhaben interessante Perspektiven für Jazz-Freunde. Während Sony mit dem Legacy Sublabel den Columbia Katalog recht gut erschlossen und systematisch wiederveröffentlicht hat, wurde die Erschließung des RCA Jazz-Katalogs von Bertelsmann nur halbherzig und unsystematisch angegangen, d.h. hier wären noch viele Schätze zu heben. Auch im Internet kommen die Majors nur schleppend voran und lassen sich von branchenfremden die Butter vom Brot nehmen. So hat die Computer-Firma Apple in den USA ihren iTunes (1) Service gestartet, der Songs aller fünf Majors (neben Sony und Bertelsmann auch Universal, EMI und Time Warner) zum Download gegen Bezahlung anbietet und schnell zum großen Erfolg wurde, obwohl er zunächst nur mit Apple-Geräten funktionierte. Inzwischen kann man auch mit Windows-Rechnern zugreifen, und iTunes kommt nach Europa. Apple bietet dazu unter dem Namen iPod schicke mobile Geräte, mit denen man die heruntergeladene Musik dann unterwegs hören kann. Es werden nicht nur Pop-Hits geboten, sondern auch Jazz. So enthält die Site Empfehlungslisten von Dave Brubeck und Wynton Marsalis.

Wynton Marsalis war der Startpunkt der Young Lions Bewegung, die in den 80er Jahren den Jazz-Markt mit Nachwuchsmusikern überschwemmte und in den 90ern etwas abebbte zugunsten der Sängerinnen. Ein Gebiet blieb die ganze Zeit vernachlässigt, der männliche Jazz-Gesang. Deshalb muss man heute Jazz-Sänger unter 60 mit der Lupe suchen. Zu nennen sind Kurt Elling (2), der den Vocalese eines Jon Hendricks fortentwickelt, und Kevin Mahogany (3), der mit seinem mächtigen und doch flexiblen Bariton an Joe Williams erinnert. Die große Marktlücke im männlichen Swing-Gesang a la Frank Sinatra animierte Pop-Stars wie Rod Stewart und Robbie Williams zu mehr oder minder gelungenen Versuchen. Entsprechend begeistert reagieren Musikindustrie und Öffentlichkeit jetzt auf überzeugende Nachwuchssänger, die weder den alten Stil noch die Standards scheuen, diese mit ansprechenden Eigenkompositionen mischen und auch noch gutes Aussehen mitbringen. Pianist und Sänger Peter Cincotti (4), gerade 20, war mit seinem Debut-Album auf Concord der Shooting Star der USA im Jahr 2003. Auch wenn der Versuch, erste Konzerte mit ihm in Deutschland gleich in größeren teuren Hallen zu veranstalten, schief ging – es gehört keine Hellseherei dazu, ihm eine große Zukunft vorherzusagen. Der Newcomer des Jahres 2004 dürfte der englische Pianist und Sänger Jamie Cullum (5) werden, etwas flippiger als Cincotti, musikalisch etwas abenteuerlustiger, aber ebenfalls den Standards nicht abgeneigt. Seine selbstproduzierte CD ‚Pointless Nostalgic’ (Candid) zeigte bereits sein Potential, jetzt hat ihn Verve unter Vertrag genommen und wird seine neue CD ‚Twenty-Something’ weltweit vermarkten. Der amerikanische Sänger und Gitarrist Tuey Connell (6) ist beim deutschen Label Minor Music unter Vertrag und macht sehr hörenswerte Musik, auch wenn er für den großen Starruhm wahrscheinlich zu introvertiert und anspruchsvoll wirkt. Auch im Bereich des Jazz-Pianos ist beachtenswerter Nachwuchs zu vermelden. Die junge Japanerin Hiromi (7), von Oscar Peterson und Ahmad Jamal gefördert, konnte sich und ihr Telarc-Debut-Album auf einer erfolgreichen Tournee bereits in Deutschland vorstellen. Der Kalifornier Taylor Eigsti (8) hat bereits einige Beachtung in USA gefunden, doch als das größte Nachwuchstalent gilt der russischstämmige, in USA lebende Eldar Djangirov (9), erst 16 Jahre alt und mit Lobeshymnen überhäuft.

Die kanadische Sängerin Dawn Aitken (10) dürfte mehr als doppelt so viele Lebensjahre zählen. Ihre im Eigenverlag produzierte CD ‚Be Cool’ demonstriert die Ausdrucksfähigkeit ihrer dunklen Stimme vorzüglich und lohnt die Mühe, sie über das Internet zu bestellen. Wesentlich bekannter ist Pianist Eric Reed (11), vor allem aus seiner Zusammenarbeit mit Wynton Marsalis, aber auch durch die exzellenten Veröffentlichungen unter eigenem Namen, so zuletzt die Weihnachts-CD ‚Merry Magic’ auf MaxJazz. Die isländische Pianistin Sunna Gunnlaugs (12) bewegt sich mit nordischer Unterkühltheit eher auf der Avantgarde-Schiene. Der Bonner Trompeter Herwig Barthes (13) zeigt seine Vielseitigkeit in verschiedenen Gruppen von Salsa bis Nat King Cole und betätigt sich auch als Veranstalter, der den Bonner Jazz-Zirkel (14) gerade wiederbelebt. Schlagzeuger Ernst Bier (15) hat sich nach langjähriger internationaler Tätigkeit in Berlin etabliert, wo er auch regelmäßig Workshops anbietet. Ebenfalls in Berlin ist der Pianist und Musiklehrer Stefan Berker (16) zu Hause, der nicht nur an der Jazzschule Berlin (17) tätig ist, sondern auch als einer der Betreiber der Kunstfabrik Schlot (18) agiert, die ein spannendes Programm mit Jazz und Cabaret bietet. Der Berliner Designer Tim Hagedorn (19) hat sich auf die großformatige Reproduktion von Jazz-Covers spezialisiert und übernimmt auch Auftragsarbeiten, wenn Sie ein bestimmtes Cover als großes Bild im Wohnzimmer hängen haben möchten. Gelungene Jazz-Fotos zeigt Fotograf Mark Wohlrab auf seiner Site (20).

Eines der renommiertesten und besten europäischen Jazz Festivals schmückt jedes Jahr im Juli Juan-les-Pins (21), wo die Konzerte unter Pinien direkt am Strand der Cote d’Azur stattfinden. Ascona (22) hat sich auf New Orleans und anderen traditionellen Jazz spezialisiert. Zu den kleinen, aber feinen und langlebigen amerikanischen Jazz Labels zählt Sunnyside, das gerade einen neuen Internet-Auftritt gestartet hat (23). Unter Passion for Jazz (24) finden sich viele Informationen zur Jazz-Geschichte in Verbindung mit einem Online-Shop. Das Jazz Museum (25) befindet sich nicht etwa in USA, sondern in Schweden. Einige deutsche Jazz Fans versuchen mit dem Jazz Guide (26), noch unerfahrenen Jazz-Interessenten den Einstieg mittels CD-Empfehlungen zu erleichtern. Das japanische Jazz Discography Project (27) enthält eine Vielzahl von Label- und Musiker-Diskografien. Einen breiten Überblick über die internationale Jazz Festival Szene bietet JazzonJazz (28). Die größte Auswahl an Radio-Kanälen im Internet präsentiert Live365 (29), darunter auch viele Jazz-Kanäle.

Vielen Dank an alle, die mit ihren Zuschriften zu diesem Artikel beigetragen haben! Entsprechende Hinweise sind natürlich weiterhin willkommen. Wie immer sind alle Links aus diesem Artikel wie auch die früheren auf meiner Web Site ‚Kind of Blue’ (30) zu finden.

Hans-Bernd Kittlaus (e-mail: kittlaus @ acm.org)

 

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Jazz-Adressen im Internet

(1) iTunes http://www.apple.com/itunes
(2) Kurt Elling http://www.kurtelling.com
(3) Kevin Mahogany http://www.kevinmahogany.com
(4) Peter Cincotti http://www.petercincotti.com
(5) Jamie Cullum http://www.jamiecullum.com
(6) Tuey Connell http://www.tueyconnell.com
(7) Hiromi http://www.hiromimusic.com
(8) Taylor Eigsti http://www.tayjazz.com
(9) Eldar Djangirov http://www.eldarjazz.com
(10) Dawn Aitken gelöscht
(11) Eric Reed http://www.ericreed.net
(12) Sunna Gunnlaugs http://www.sunnagunnlaugs.com
(13) Herwig Barthes http://www.herwig-barthes.de
(14) Jazz-Zirkel Bonn gelöscht
(15) Ernst Bier http://www.jazzdrumming.de
(16) Stefan Berker http://www.stefanberker.de
(17) Jazzschule Berlin http://www.jazzschule-berlin.de
(18) Kunstfabrik Schlot http://www.kunstfabrik-schlot.de
(19) Tim Hagedorn Jazz Covers gelöscht
(20) Mark Wohlrab http://www.jazz-photo.com
(21) Jazz a Juan http://www.antibesjuanlespins.com
(22) Ascona Jazz http://www.jazzascona.org
(23) Sunnyside http://www.sunnysidezone.com
(24) Passion for Jazz http://www.apassion4jazz.net
(25) Jazz Museum http://www.jazzmuseum.com
(26) Jazz Guide http://www.jazzguide.de
(27) Jazz Discography Project http://www.jazzdisco.org
(28) Jazz Festival Guide http://www.jazzonjazz.com
(29) Live365 http://www.live365.com
(30) Kind Of Blue (diese Links) diese Seiten