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K i n d o f B l u e Cyber Jazz 9 Print-Version (erschienen 10/00) Der Krieg um Musik im Internet wird immer härter. Am 26. Juli 2000 erreichte die Musikindustrie einen Sieg vor Gericht gegen die Internet Site Napster (1), die als eine Art Vermittler für Downloads von Musik im MP3 Format fungiert. Da Napster bewusst keine Kontrolle der Rechte an der jeweiligen Musik vornahm, untersagte das amerikanische Gericht in der ersten Instanz den weiteren Betrieb von Napster für jegliche Musik, für die die Copyright Rechte nicht geklärt sind. Die Vollstreckung des Urteils wurde zunächst ausgesetzt, und Napster hat bereits Widerspruch gegen dieses Urteil eingelegt. Sollte das Urteil allerdings in den weiteren Gerichtsverfahren Bestand haben, würde das praktisch das Ende von Napster bedeuten. Doch dies könnte sich noch als ein Pyrrhussieg für die Musikindustrie erweisen, denn unzählige andere Napster-ähnliche Sites stehen schon bereit, die nicht unbedingt in Staaten beheimatet sind, in denen sie juristisch so leicht zu belangen sind wie Napster in USA. Aus diesen Gründen ist zu erwarten, dass die beiden bisher so unversöhnlichen Kontrahenten jetzt kompromissbereiter sein werden. Musik im Internet Letztlich geht es in dieser Auseinandersetzung um die Frage, wie das Geschäftsmodell für den Vertrieb von Musik in Zukunft unter Internet-Bedingungen aussehen soll und kann. Diese Frage wird für die Musikindustrie umso dringlicher, je höher die Übertragungsraten zum Endverbraucher in die Haushalte werden. Bietet heute eine ISDN-Leitung 64 kbit (64.000 Bits) pro Sekunde, so wird innerhalb der nächsten zwei Jahre auf Basis von xDSL-Technologie bereits 2 Mbit (2 Millionen Bits) pro Sekunde überall zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen. Die Deutsche Telekom bietet dies bereits in einigen Regionen an, wenn auch noch etwas teuer. Dies ist eine Geschwindigkeitserhöhung um einen Faktor 30, d.h. ein Download einer Musikdatei, das mit ISDN 5 Minuten dauert, wird mit xDSL nur noch 10 Sekunden dauern. Parallel dazu wird mit Hochdruck an alternativen Technologien gearbeitet, z.B. an der Datenübertragung über Stromleitungen oder an der Kombination von Telefon (für die Richtung vom Endbenutzer zum Internet) und Satellitenübertragung (für die Gegenrichtung), die potentiell weitere Erhöhungen der Übertragungsraten bringen werden. Damit wird es für den Endbenutzer immer attraktiver, Musik und zukünftig auch Fernsehen und Video über das Internet zu beziehen. Darauf bereiten sich bereits viele Anbieter vor. Ein Beispiel ist der amerikanische Spartenfernsehsender BET, der über Kabel und Satellit unter anderem einen Jazz Kanal überträgt und jetzt auch in Europa stärkere Verbreitung finden will. Die BET Site (2) ist zwar etwas unübersichtlich, aber zeigt schon, dass BET sich darauf vorbereitet, seine Programme auch übers Internet zu übertragen. Eine weitere etwas unübersichtliche Site, die schon heute höchst attraktiven Inhalt bietet, ist gmn.com(3). Hier werden komplette Jazz Live Aufnahmen aus Clubs und von Festivals geboten, bisher vorrangig in Audio-Format, aber zunehmend auch in Video-Format. Weitere interessante Sites mit Jazz Musikinhalt sind music.com (4) und Choice Radio (5). Etwas herkömmlicher, nämlich über CD-Versand, erfolgt der Vertrieb bei jpc (6), dem bekannten deutschen Händler, und Jazz Loft (7), einem amerikanischen Händler, der sich auf Independent Labels spezialisiert hat. Recout (8) aus Frankfurt geht den Weg, CDs der beteiligten deutschen Musiker wie etwa Alfred Harth auf Bestellung erst zu produzieren. Christian Christl hat den Knödl-Music-Club (9) im Internet gegründet, in dem man für einen Monatsbeitrag von $4,95 soviel Musik im MP3 Format herunterladen kann, wie man möchte. Leider bietet er allerdings erst 137 Titel, doch das kann ja noch besser werden. EMusic (10) verkauft CDs, aber auch Einzeltitel. Record Collectors Corner 78 (11) ist ein Paradies für Freunde alter Schellackplatten. Noch eine andere Branche muss innovativ werden, denn nicht nur für Musik in Audio-Formaten ist das Internet interessant, sondern auch für Noten. Jazz Standards (12) ist die Site eines italienischen Arztes, der keine kompletten Noten anbietet, sondern nur die Akkordfolgen vieler Jazz Titel. Sheet Music Plus (13) arbeitet eher wie ein Buchhändler, d.h. hält eine riesige Liste von in Buchform veröffentlichten Noten zum Versand bereit. Am interessantesten ist die französisch-amerikanische Site net4music (14), die dem Käufer die Noten einzelner Titel gegen Bezahlung per e-mail zusendet.
Interessante Jazz Sites Wenn Jazz Fans auf Reisen gehen, sind sie immer daran interessiert, wo am Zielort Jazz zu hören ist. Dazu ist die Site Jazz Clubs Worldwide (15) hilfreich, die eine grosse Zahl von Clubs listet, wenn vorhanden auch mit Internet Adresse. Wenn die Reise selbst den Jazz zum Inhalt haben soll, ist man bei Peter Seefried (16) besonders gut aufgehoben, der sich mit seinem Reisebüro auf Reisen zu Festivals, Jazz Kreuzfahrten und ähnliches spezialisiert hat. Interessante Ziele könnten zum Beispiel das San Francisco Jazz Festival (17) oder das Montreal Jazz Festival (18) sein. Eine Stadt, die nicht in vorderster Front amerikanischer Jazz Städte steht, aber doch schon eine Reihe wichtiger Musiker hervorgebracht hat, ist Detroit. Die Jazz Geschichte von Detroit ist in (19) dokumentiert. Allgemeinere Jazz Sites sind DownbeatJazz (20), auf der nicht nur eine Menge Informationen zu finden sind, sondern auch gute Musik zum Download bereitsteht. Stefan Holler bietet auf seinem Jazz Portal (21) eine kommentierte Linkliste und auf Jazz 4 You (22) auch interessante Texte. Noch wenig Inhalt, aber dafür eine besonders schöne Gestaltung zeichnet Jazzfiles (23) aus. Die Zahl der Musiker mit Web Sites wächst stetig. Beispiele sind die Sites des irischen, in der Schweiz lebenden Pianisten John Wolf Brennan (24) und des Bassisten Jan Jankeje (25). Sue Mingus, die Witwe des Bassisten und Komponisten Charles Mingus, betreibt das Real Mingus Web (26), das insbesondere Informationen zur Mingus Big Band enthält. Vielen Dank an alle, die mit ihren Zuschriften zu diesem Artikel beigetragen haben! Entsprechende Hinweise sind natürlich immer willkommen. Wie immer sind alle Links aus diesem Artikel wie auch die früheren auf meiner Web Site ‚Kind of Blue’ (27) zu finden, die ich gerade neu gestaltet habe. Hans-Bernd Kittlaus (e-mail: kittlaus @ acm.org)
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Jazz-Adressen im Internet
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