Live at the Village Vanguard
Winter & Winter 910 102-2
Der Pianist Uri Caine ist seit vielen Jahren eine der Hauptfiguren der New
Yorker Downtown Avantgarde Szene. Ob in den Gruppen von Don Byron oder Dave
Douglas, ob mit Klassik-Adaptionen wie den Goldberg- oder Diabelli-Variationen,
ob elektrisch oder akustisch, stets sucht Caine die intellektuelle
Herausforderung, die Verbindung seiner klassischen Klavierausbildung und seiner
jüdischen Wurzeln mit seinen Jazz-Ambitionen. So erscheint es auf den ersten
Blick überraschend, dass er seine erste Live-Aufnahme unter eigenem Namen
ausgerechnet im Village Vanguard aufgenommen hat, jenem New Yorker Tempel des
klassischen Jazz, geradezu dem Gegenpol zu den Avantgarde-Spielstätten Knitting
Factory oder Tonic. Die Musik auf dieser CD beweist allerdings schnell, dass
dahinter durchaus das Bekenntnis zum klassischen Jazz Klaviertrio steht.
Natürlich bringt Caine seine persönliche Note hinein, etwa mit seiner Adaption
zu ‚Otello’ oder mit dem Titel ‚BushWack’, zu deutsch etwa ‚Bush Idiot’.
Doch das Trio mit Bassist Drew Gress und Schlagzeuger Ben Perowsky steht mit
allen sechs Beinen in der Jazz-Tradition, was sich nicht nur in der Wahl von
Standards wie ‚I Thought About You’ oder ‚Cheek to Cheek’ ausdrückt,
sondern auch im Konzept des Zusammenwirkens. Intelligente Musik, die immer
wieder auch heftig losswingen kann.
Hans-Bernd Kittlaus
23.05.04