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Hans-Bernd Kittlaus
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Klavierfestival
Ruhr 2010
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Klaviertrios festlich
(erschienen 7/2010)
Das Klavierfestival Ruhr bietet vorangig
klassische Musik, hat aber in den über 20 Jahren seines Bestehens auch
immer wieder bemerkenswerte Jazz Events im Programm gehabt. Der Jahrgang
2010 brachte zwischen Mai und Juli insgesamt 67 Konzerte an verschiedenen
Spielstätten und mit 61.000 Besuchern einen neuen Besucherrekord. Darunter
waren nur vier Jazz-Konzerte. Umso bemerkenswerter, dass Intendant Franz
Xaver Ohnesorg Jazz als Abschlusskonzert wählte. Im festlichen Rahmen des
Ruhrfestspielhauses Recklinghausen, dessen ohnehin hervorragende Akustik
durch die brillianten Tontechniker aufs Schönste genutzt wurde, wurde er
belohnt mit einem ausverkauften Haus, in dem ein Who Is Who der
Wirtschaftskapitäne des Ruhrgebiets saß, die das Festival finanzieren.
Till Brönner präsentierte drei Spitzenpianisten jeweils im Trio mit dem
harmonisch improvisierenden Bassisten Dieter Ilg und dem solide swingenden
Schlagzeuger Martijn Vink. Der New Yorker Larry Goldings legte gleich zu
Beginn mit zwei blues-getränkten Eigenkompositionen die Latte recht hoch.
Der eher als Hammond-Spieler bekannte Goldings erwies sich als exzellenter
kompletter Pianist und Komponist. Frank Chastenier, bekannt durch seine
Zusammenarbeit mit Till Brönner und der WDR Big Band, wirkte danach
zunächst in seiner stark verfremdenden Interpretation von ‚On the sunny
side of the street’ gehemmt und in der Ballade ‚But beautiful’
uninspiriert, bevor er sich in seinem Solo ‚Phantasie über FXO’ (Homage an
Ohnesorg) freispielte. Mulgrew Miller bewies seine Klasse in seinen
Trio-Standards, als er Vinks unpassend eindimensionale
Schlagzeug-begleitung durch seine perlend improvisierten Läufe vergessen
ließ. Sein Solo über ‚It never entered my mind’ demonstrierte große Teile
der Historie des Jazz-Klaviers in einer Form, die jederzeit musikalisch
Sinn machte. Till Brönner moderierte nicht nur professionell sympathisch,
sondern stieg auch am Ende jedes Triosegments als Trompeter ein. Während
er mit Goldings und Chastenier jeweils seinen charakteristischen softigen
Sound bot, reizte Miller ihn zu einem ausdrucksstarken Solo über ‚You
don’t know what love is’ im Stile seines Vorbilds Woody Shaw, mit dem
Miller noch gespielt hatte. Am Ende des 3,5-Stunden-Konzerts duellierten
sich jeweils zwei Pianisten. Die Paarung Miller/Goldings brachte
mitreißenden Swing, Goldings/Chastenier improvisierten impressionistisch
und inspiriert, und Chastenier/Miller swingten durch ‚The days of wine and
roses’ mit einem jetzt entfesselt aufspielenden Chastenier. Den Abschluss
bildete ein furioses Bebop-Stück, bei dem Goldings die undankbare Melodica
erfolgreich als Blues-Instrument einsetzte. Die stehenden Ovationen in
Verbindung mit der Entscheidung, die langfristige Finanzierung des
Festivals durch eine Stiftung zu sichern, sollten Ohnesorg und sein Team
bewegen, dem Jazz noch mehr Raum bei den Festivals der nächsten Jahre
einzuräumen.
Hans-Bernd Kittlaus
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